eBook-Reader: Tolino Epos

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Aufgrund Alterungserscheinungen war es nötig das ich mir einen neuen eBook-Reader anschaffen. Seit 2012 hatte ich einen alt, ehrwürdigen PRS-T1 der Firma Sony der mich viele, viele Stunden begleitet hat. Da Sony keine eBook-Reader mehr produziert musste ich mich anderweitig umsehen. Kindle kommt nicht in frage; das Geschäftsgebaren von Amazon im Bereich der eBooks schmeckt mir nicht. Da gibt es zu viel DRM und zu viel proprietäres Zeug. Die Entscheidung viel dann auf einen Tolino Epos. Der Grund hierfür ist das große Display.

Hardware

Display

Jedem würde ich das knapp 20cm große Display nicht als Kaufgrund empfehlen. Bei mir ist es aber so das ich neben Romanen auch öfter mal Fachbücher mit Codelistings lese und bei letzterem erhoffe ich mir eine bessere Darstellung durch die größere Fläche. Bei Romanen ist das kompaktere Format des Sony Readers meiner Meinung nach angenehmer zu halten.

Durch die höhere Auflösung wirk der Text auf dem Tolino klarer als auf dem Sony. Auch ist der Hintergrund etwas heller, auch ohne die Hintergrundbeleuchtung zu aktivieren die das alte Gerät von Sony noch gar nicht hatte. Bei aktivierter Beleuchtung wirkt der Hintergrund noch heller, was den Kontrast noch mal etwas verbessert.

ePaper-Displays müssen gelegentlich, kurzfristig schwarz gefärbt werden um Schatten zu beseitigen die von zuvor angezeigten Seiten zurückbleiben. Dieses Verhalten hat mich bei meinem Sony schon nach kurzem nicht mehr gestört. Beim Epos fällt es mir momentan noch negativ auf, das ist aber eventuell der gesteigerten Aufmerksamkeit geschuldet die ich neuen Dingen entgegenbringe.

Gehäuse

Ein Unterschied der ins Auge fällt ist die Gehäusefarbe: Warum müssen die Geräte heute alle schwarz sein? Ein weißes Gehäuse, wie das meines PRS-T1, ist irgendwie dichter am gedruckten Buch und fördert die Konzentration auf den Inhalt. Ist aber wahrscheinlich Geschmackssache. Einen Vorteil hat das Gehäuse des Epos gegenüber dem Sony: Das Display ist plan eingelassen.

Wo der Sony-Reader noch richtige Tasten hatte, die allerdings zum Prellen neigten, hat der Tolino Epos nur noch ein Sensorfeld unterhalb des Displays mit dem man zum Hauptmenü zurückkommt. Mich stört es nicht, wegen des Prellens habe ich sowieso meist das Touchdisplay genutzt. Jetzt habe ich einfach nur keine Wahl mehr.

Performance

Zur Performance kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht viel sagen. Bei PDFs fühlt sich der Tolino etwas langsam an. Das war aber auch nie eine Stärke des Sony. Der wiederum mit zunehmenden Alter immer langsamer wurde, vor allem beim öffnen von Büchern. Ich weiß allerdings nicht ob das am Füllstand des Speichers, an den heutigen eBooks oder an sonst was liegt.

Weitere Ausstattungsmerkmale

Beim Tolino gibt es übrigens keinen SD-Karten-Slot und auch keinen Kopfhöreranschluss. Beides habe ich beim Sony bisher auch nie gebraucht. WLAN haben sie hingegen beide.

Software

Das erste was auffällt ist das niedliches StandBy-Bild. Dieses schlafende Tolinogesicht ist aber leider nur 5 Minuten niedlich danach hab ich mich satt gesehen. Was ich wirklich will ist die Anzeige des Buchcovers das ich gerade lese. Ich verknüpfe die Inhalte im Gedächtnis nämlich gerne mit dem Cover. Leider gibt es diese Funktion nur auf meinem alten Sony-Reader. Um wenigstens das Tolino-Gesicht los zu werden kann man ein anderes Bild zur anzeige bringen. Dazu muss man lediglich eine Datei mit dem Namen „suspend.jpg“ auf dem Gerät ablegen. Eine Anleitung dazu gibt es auf papierlos-lesen.de. Mit ein wenig Suchen im Internet findet man verschiedene Sammlungen von Bildern in funktionierenden Größen. Ich habe mich aus einer Liste abstrakter Bilder bedient.

Wem die Schriftarten nicht gefallen kann die Liste der verfügbaren Fonts einfach ergänzen. Dazu muss man die Font-Datei einfach in einen speziellen Ordner auf dem Gerät kopieren. Details kann man dem Tolino-FAQ entnehmen.

Beim Markieren von Stellen innerhalb von Büchern hat der Sony PRS-T1 trotz seines Alters die Nase vorn. Esselsohren können beide in Seiten machen. Auch können beide Geräte Textstellen markieren, der Epos allerdings nicht in PDFs. Was der Epos aber nicht kann ist Freihandmarkierungen zu malen. Manchmal, zugegebenermaßen Selten, mache ich sowas bei Diagrammen.

PDF-Viewer

Wenn man nicht nur eBooks im EPUP-Format konsumiert sondern auch mal das ein oder andere PDF konnte mit dem Sony-Reader mehr Optionen nutzen. Zum Beispiel kann man mehrspaltigen Seiten in mehrer Kacheln aufteilen um dann von Oben nach Unten und von Rechts nach Links durchzublättern. Auch kann man die Seitenränder wegschneiden um mehr Platz für den Text zu schaffen.

Beide Funktionen bietet der Tolino nicht an. Was er anbietet ist eine Vergrößerung des Textes in mehreren Schritten, die Darstellung im Querformat und eine „nur Text“-Darstellung.

Das Vergrößern ist nur nützlich wenn man einzelne Details, zum Beispiel in einem Diagramm, näher betrachten will. Dabei werden nämlich die Zeilen auf mehrere Bildschirmseiten verteilt so das ein flüssiges lesen nicht mehr möglich ist.

Im Querformat sind PDFs in Oben und Unten geteilt. Damit erhält man eine gute Lesbarkeit. Leider ist die Navigation nur wenig durchdacht. Wenn man auf dem Touchdisplay nach Links wischt kommt man nicht etwa erst von oben nach unten und beim nächsten Wisch zur folgenden Seite sondern gleich eine Seite weiter womit die untere Hälfte einer Seite übersprungen wird. Um dorthin zu kommen muss man von Unten nach Oben wischen. Das führt dazu das man jede halbe Seite einmal umdenken muss.

Die dritte Option extrahiert den reinen Text aus dem PDF und zeigt ihn ohne Formatierung an. Dabei werden auch Fußzeilen mitten im Text positioniert und es entsteht ein fürchterlicher Textbrei.

Positiv kann man aber hervorheben das das große Display ausreichend ist um ganze DIN-A4-Seiten groß genug darstellen zu können das man den Text, gute Augen vorausgesetzt, lesen kann.

Browser

Da beide hier verglichenen Geräte WLAN haben, bringen Sie auch beide einen Browser mit. Leider sind diese Browser lieblos und Funktionsarm. Den des Tolinos zu untersuchen habe ich recht schnell aufgegeben. Meine Enttäuschung, und das bezieht sich auf beide Reader, macht sich hauptsächlich an zwei Punkten fest:

Der Browser scrollt durch Webseiten. Das verursacht Schlieren und ein ständiges Flackern. Das ist meines Erachtens dem ePaper geschuldet. Es ist einfach nicht schnell genug fürs Scrolling. Von einem Browser auf einem eReader würde ich erwarten das er Webseiten seitenweise blättern kann. So wie es ist kann ich den Browser nur als Notbehelf
verwenden.

Ein technischer Aspekt der Aufzeigt wie wenig Sorgfalt in den Browser gesteckt wurde betrifft das monochrome Display. CSS Media Queries erlauben es diese Eigenschaft abzufragen. Leider behaupten beide Browser standhaft Sie würden auf Farbdisplays zugreifen können.

Was mir den Spaß auf dem Tolino zusätzlich vermiest ist die fehlende Möglichkeit die Startseite zu ändern. Was soll das? Warum muss ich immer erst einen Ausflug zu Google machen bevor ich Surfen kann?

Shopintegration

Tolinos sind mit einer integrierten Shop ausgestattet der dem Online-Shop des Anbieters entspricht bei dem man den Tolino gekauft hat. Das wäre soweit nicht schlimm, leider werden mir lauter nutzlose Buchvorschläge auf dem Launcher präsentiert die ein Drittel der Oberfläche in Anspruch nehmen. Das Feature lässt sich leider auch nicht abschalten.

Mehr kann ich zu diesem Thema nicht sagen da ich meine Bücher lieber am PC kaufe und daher den Epos noch nie zu diesem Zweck genutzt habe.

Bibliotheksverwaltung

Noch etwas das das Betriebssystem des Sony dem Tolino voraus hat ist die Verwaltung von Serien und Kategorien. Der Sony kann in kombination mit Calibre die Bücher automatisch in sogenannte Sammlungen einsortieren. Dabei können verschiedene Informationen genutzt werden und die Bücher gleichzeitig in mehreren davon abgelegt werden. Zum Beispiel kann man das Buch „Die Herren von Winterfell“ in Fantasy und in „Game of Thrones“ ablegen. Bei Tolino hingegen muss man etwas tricksen und bekommt doch nur maximal eine Serie, wo heißt das Feature bei Tolino, hin. Andere Serien müsste man von Hand direkt auf dem Gerät zuordnen, was recht nervig ist.

Die Serie wird aus dem Ordner abgeleitet in dem das Buch auf dem Epos abgespeichert wird. Um eine Bestimmte Information aus den Metadaten in Calibre in einen Ordnernamen zu verwandeln muss man in den Einstellungen von Calibre unter „Senden von Büchern auf Geräte“ im Feld „Speichervorlage“ ein neues Muster anlegen nach dem Calibre den Speicherpfad auf dem Gerät bildet. Wenn man diese Muster nicht für alle Geräte ändern will kann man auch, bei angeschlossenem Reader, in der Symbolleiste unter „Gerät“ den Menüpunkt „Dieses Gerät konfigurieren“ wählen und dort wiederum das Feld „Speichervorlage“ ausfüllen. Die Anleitung von Calibre führt auf wie die Vorlagensprache für diese Muster funktioniert.

Ich habe folgendes Muster für mich gewählt. Es erzeugt einen Ordner für das erste Stichwort, einen Unterordner für die Buchreihe und benennt die Datei dann nach Reihe inklusive Nummer, Titel und Author. Wenn keine Stichwort oder keine Reihe festgelegt ist entfallen die jeweiligen Ordner.

{tags:list_item(0,\,)}/{series}/{series:| - |}{series_index:0>2s}_{title}_{authors}

Leider führt es nicht zur Zuordnung von mehreren Serien wenn man die Dateien in tiefen Ordnerstrukturen ablegt. Lediglich die tiefste Ebene führt auch dazu das dass Buch in einer Serie abgelegt wird. In meinem Fall hat also die Reihe Vorrang vor dem ersten Stichwort.

Zusammenfassung

Nach dieser ersten Begutachtung und einer Woche der Nutzung muss ich leider sagen das Sony die Software bereits vor sechs Jahren besser hinbekommen hat. Mit der Hardware bin ich hingegen recht zufrieden soweit man das nach so kurzer Zeit sagen kann.